Welche Strategie verfolgst Du mit Deinen Sorgen?

Welche Strategie verfolgst Du mit Deinen Sorgen? Teil 2

Hallo liebe LeserInnen,

mein Artikel „Wie sehr brauchst Du Deine Sorgen?“ ist auf reges Interesse gestossen!

Ich erhielt einige E-Mails mit Fragen dazu, aber auch Informationen, wer sich genau welche Sorgen macht. Und auch bei meinen Therapie- und Coaching Klienten war es in den jeweiligen Sitzungen ein zentrales Thema. Die Fragen, aber auch weiterführenden Erkenntnisse meiner Klienten brachten mich dazu, nun ein zweiten Artikel zu verfassen.

Noch einmal zum Verständnis, worum es genau geht.

Es gibt für jeden von uns einen Kreislauf, den wir, egal zu welchem Thema, immer und immer wieder durchlaufen:

Stimmung – Geschichte/Selbstgespräch – Verhalten/Strategie – Ergebnis

Nach dem Ergebnis geht es wieder mit der Stimmung weiter. Je nach Ergebnis mit der selben Stimmung wie beim letzten Mal oder einer neuen, anderen und hoffentlich besseren.

In diesem Artikel gebe ich Dir ein paar Beispiele meiner Klienten (natürlich mit falschem Namen bzw. Geschlecht, um deren Identität zu wahren), die Dir dabei weiterhelfen können, die Geschichte hinter Deinen Sorgen neu zu beleuchten. Viel Spaß dabei! 🙂

Mein Klient Stefan & das überzogene Konto

Stefan arbeitet bei einem großen Konzern und ist oft auf Dienstreisen, wodurch er Kosten hat, die er sich über die monatliche Reisekostenabrechnung von der Firma zurückholt. Leider hat Stefan nicht genug Guthaben auf seinem Konto, so dass er öfter mal ins Minus rutscht. Das ist aber nicht sein Fehler… meint er, sondern im Falle der Reisekosten ist die Firma Schuld.

Seine Aussage war: „Ja, das ist echt blöd für mich (Stimmung). Die Firma hat die Reisekosten noch nicht überwiesen und jetzt rutsche ich derentwegen ins Minus (Geschichte). Ich muss mit der Firma besprechen, ob ich mir zukünftig die Reisekosten mit einem Betrag x von denen vorstrecken lassen kann (Strategie).“

Stefan hat sich bis zu dem Zeitpunkt nicht eingestehen wollen, dass nicht die Firma Schuld ist, dass er ins Minus rutscht, weil sie die Auslagen nicht pünktlich überweist, sondern sein eigenes Verhalten ins Bezug auf Geld. Erst wenn er die Geschichte dahinter ändert, kann er auch Einfluss auf sein weiteres Verhalten nehmen.

Meine Klientin Tanja & ihre Mutter

Meine Klientin Tanja war bei ihrer Mutter zu Besuch. Sie erzählte mir, dass sie schon mit einem genervten Gefühl dahin gegangen und nach einer Stunde wieder nach Hause gefahren sei. Danach hatte sie ein schlechtes Gewissen. Ich fragte sie, wobei ihr denn das schlechte Gewissen helfen soll. Damit sie beim nächsten Mal in einer besseren Stimmung zur ihrer Mutter fährt? Da hilft das schlechte Gewissen nicht weiter, sondern nur eine andere Geschichte bzw.  ein positives Selbstgespräch.

Ich fragte Tanja, welche Geschichte sie sich in Bezug auf ihre Mutter erzählt. Sie antwortete „sie ist ein schlechte Mutter gewesen. Außerdem ist sie auch eine schlechte Ehefrau. Und sie ist peinlich.“

Dass Tanja´s Mutter eine schlechte Mutter war, ist Tanja´s Empfinden und das ließ ich auch erst einmal so stehen. Dass sie außerdem eine schlechte Ehefrau ist, gehört nicht zu ihrer Geschichte, denn das kann nur die Mutter und der Ehemann beurteilen. Das ließ ich Tanja aus ihrer Geschichte rausstreichen. Zum Thema Peinlichkeit fragte ich sie, wie das genau ausschaut: Läuft die Mutter nackt durch die Straßen ihres Wohnortes? Rülpst sie im Restaurant ungeniert vor sich hin? Legt sie bei anderen Leuten ihre Füße auf deren Tisch? Empfinden andere Menschen Tanjas Mutter auch als peinlich? All das verneinte Tanja, es sei eher etwas, von dem sie sagt, dass darf ein Mensch nicht tun. Also etwas, dass Tanja sich selber nicht erlaubt…

Wir wandelten also ihre bisherige Geschichte um:

Ja, die Mutter war als Mutter nicht so, wie Tanja es sich vorgestellt hat (daran änderten wir nichts). Das mit der schlechten Ehefrau ist weggefallen. Und manchmal empfindet Tanja (aus welchen Gründen auch immer) ihre Mutter als peinlich. Tanja sagte mir dann noch „Und ich weiß, dass sie mich wirklich liebt“, was wir auch noch hinzufügten.

Tanja fühlte sich mit dieser neuen Geschichte besser und wollte diese bis zur nächsten Besuch nutzen, um mit einem besseren Gefühl (Stimmung) zu ihrer Mutter zu fahren.

Ich empfahl ihr, dort nicht eine Stunde zu bleiben, sondern eine Stunde und eine Minute. Sie könne ihrem schlechten Gewissen, falls es sich danach wieder melden sollte, sagen, dass sie nun schon eine Minute länger geblieben wäre. Beim nächsten Mal wird es dann eine wieder eine Minute mehr sein. Vielleicht werden es dann auch fünf Minuten und mehr…

Mein Klient Thomas & der Sport

Ich habe einen Klienten, der gerne abnehmen möchte. 11kg hat er schon geschafft, aber es sollen noch weitere 8-10 Kilos folgen. Für ihn ist Sport sehr wichtig, denn er hat erkannt, dass das eine große Stellschraube ist, an der er drehen kann, um abzunehmen. Thomas ist aber beruflich äußerst pflichtbewusst und arbeitet öfter länger, als er muss bzw. als es für sein Sportprogramm gut ist. Er hat sich schon zahlreiche Listen geschrieben, wann er wie welchen Sport machen will, aber nichts half bisher. Thomas sagte mir in seiner letzten Sitzung „Ich muss meine Strategie bzgl. Disziplin ändern.“

Das wird Thomas nicht weiterbringen, denn seine Strategie hat er schon zigfach geändert, siehe die zahlreichen Listen. Es geht um die Geschichte, die er sich zum Thema Sport und Wichtigkeit selber erzählt. Solange Thomas eine höhere Fremddisziplin (was erwartet die Firma für eine Disziplin von mir?) hat als Selbstdisziplin (was erwarte ich von mir?), wird der Sport immer hintenan stehen.

Mein Klient Tobias & seine Chefin

Im ersten Teil von „Wie sehr brauchst Du Deine Sorgen?“ habe ich Dir von meinem Klienten Tobias berichtet, der seine Chefin als faul bezeichnet hat, dass sie ihre Aufgaben nicht erledigt und die Mitarbeiter nicht direkt zu ihren Themen anspricht. Nachdem ich mit Tobias den Kreislauf von „Stimmung – Geschichte – Verhalten – Ergebnis“ durchgegangen war, erkannte er, dass es nur eine Exit-Möglichkeit für ihn gab, wenn er sich zukünftig nicht mehr so über seine Chefin ärgern wolle. Der Ausgang ist seine Geschichte, sein tägliches Selbstgespräch.

Ich gab Tobias in der Sitzung die Hausaufgabe mit, eine Liste mit all den Situationen, Verhaltensweisen von Leuten aufzustellen, die er nicht akzeptieren will. Er sollte dann auch den Grund (seine Geschichte) dazu schreiben. In der nächsten Sitzung erzählte mir Tobias, dass es ihm in der Zwischenzeit mit seiner Chefin besser ergangen sei. Er hatte angefangen, seine Geschichte zu überdenken und sie abzuändern. Außerdem war es ihm nicht möglich gewesen, eine einzige Situation, Verhaltensweise einer Person aufzuschreiben, die er nicht akzeptieren könne. Jedes Mal, wenn er an etwas oder jemanden gedacht habe, um es aufzuschreiben, sei das Bild „vor seinen Augen verblasst.“ Am Ende stand er mit einer leeren Liste da 🙂

Ich fragte Tobias noch einmal, was es ihm bisher so schwer gemacht hatte, seine Chefin mehr anzunehmen wie sie ist. Denn so wie wir alle wissen, weiß Tobias schließlich auch, dass sich niemand für uns verändert. Was hatte er also für ein Thema mit der Akzeptanz?

Er sagte mir, dass für ihn die Akzeptanz bisher Stillstand, ein Stopp seiner Weiterentwicklung bedeutet habe. Er hatte Angst, wenn er seine Chefin in ihrer Arbeitsweise akzeptieren würde, dann würde er mit ihr in den Topf „faul, erledigt ihre Aufgaben nicht, spricht die Leute nicht auf die Themen an“ geworfen werden.

Ich fragte Tobias, wie er denn darauf kommen würde und er sagte mir, dass er einen Kollegen habe, der beim Mittagessen schon zwei, drei Mal eine dementsprechende Bemerkung gemacht hatte. Dazu ist zu sagen, dass Tobias sich um alle wichtigen Aufgaben kümmert, vor allem die, die andere Kollegen betreffen, aber letztendlich entscheidet seine Chefin, was umgesetzt wird und was nicht. Tobias meint also auf Grund dieser Bemerkungen des Kollegen, dass er bereits in diesen Topf mit der Chefin geworfen wurde.

Ich fragte Tobias, ob er sich selber denn als „faul, erledigt ihre Aufgaben nicht, spricht die Leute nicht auf die Themen an“ empfindet, was er rundweg verneinte. Dann fragte ich ihn, was er denn auf die Bemerkungen seines Kollegen entgegnet hätte. Er habe mitgelacht, denn der Kollege hätte das immer in einer leicht lustigen, nie direkten Art gesagt. Tobias erzählte weiter, dass der Kollege mit seinen Anliegen in Bezug auf gewünschte Genehmigungen immer zu ihm käme, obwohl dieser selber einen guten Draht zur Chefin habe. Aber da würde er seine Anliegen nie direkt ansprechen. Das war sehr interessant, denn somit kamen wir der Sache wieder ein Stück näher.

Es geht hinter der ganzen Geschichte von der „faulen“ Chefin nämlich um folgendes:

Tobias hatte sich bis jetzt nicht getraut, zu bestimmten Personen ein deutliches Stopp bei diversen Bemerkungen zu sagen. Er hatte sich bis jetzt noch nicht getraut, dem Kollegen zu sagen, dass dieser seine Anliegen bei der Chefin doch direkt ansprechen solle, wenn sie schon regelmäßig zum frühstücken gehen. Außerdem hat er dem Kollegen auch nicht gesagt, dass er, Tobias, weder faul etc. sei und mit der Arbeitseinstellung der Chefin überhaupt nichts gemeinsam habe.

Da Tobias das bisher aber noch nicht gelernt bzw. getan hatte, brauchte er eine andere Story, nämlich die der „faulen“ Chefin. Eine Chefin, die er unbedingt ändern müsse, damit sie endlich mal ihren Job erledige. Dann würde Tobias auch nicht mehr in einen Topf mit der Chefin geworfen werden (seine Meinung, dass das alle tun, dabei geht es hier nur um einen Kollegen) und dann könne er sie auch endlich akzeptieren.

Schon interessant, wie wir Menschen das so machen, nicht wahr? 🙂

Überprüfe Deine Geschichten

Wie Du an diesen verschiedenen Beispielen meiner KlientenInnen erkennen kannst, erzählt sich jeder eine bestimmte Geschichte, die aber nicht dabei hilft, den Ausgang aus dem Kreislauf zu finden. Solange Du Dir weiterhin eine Story erzählst, die darauf abzielt, dass jemand anderes etwas nicht tut und Du Dich deshalb nicht gut fühlen kannst oder Du deshalb zum Beispiel Dein Konto überziehst, solange behältst Du Deine ungute Stimmung bei, sobald Du wieder in diese Situation kommst.

Achte auf die Qualität Deiner Selbstgespräche und Du veränderst die Qualität Deines Lebens. Ändere Deine Geschichte und Du veränderst Dein Leben 🙂

Enjoy your day & Get On!

Herzlichst Kim 🙂

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